Warum alleinerziehend das Selbstbewusstsein stärkt

Meine Geschichte:

Früher hatte ich ein sehr geringes Selbstbewusstsein. Und das eigentlich schon, seit ich denken kann. In der Schule habe ich mich nicht getraut, mich zu melden – Referate gingen gar nicht. Wenn ich einen fremden Menschen ansprechen sollte, habe ich meinen kleinen Bruder vorgeschickt (Brötchen holen vom Bäcker).

Ich war schüchtern.

Diese Schüchternheit zog sich weiter durch mein Leben. Ich wurde älter. Ich hatte Träume, Modedesignerin werden (oder etwas anderes kreatives), eine Zeit ins Ausland zu gehen, nach Australien. Vielleicht als Au-Pair, Work-and-Travel oder so. Doch Wunsch und Realität liegen oft nicht so nah beieinander. Ich traute mich nicht. Als ich dann meinen Freund kennenlernte und schwanger wurde, war die Entscheidung sowieso klar. Ich musste mich also nicht mehr trauen. Praktisch, denn ich war ja schüchtern. Und so musste ich nichts mehr alleine bewerkstelligen. (Dass ich trotzdem zunächst alleine war, ahnte ich ja noch nicht).

So lange ich denken kann, habe ich versucht, mich hinter Anderen zu verstecken. Es gab immer jemanden, der es mir abgenommen hat, für mich selbst zu sorgen und einzustehen. Mehr oder weniger.

Natürlich habe ich trotzdem meinen Weg gemacht, meine Schule beendet, meine Ausbildung gemacht, meinen Beruf ausgeübt, nebenbei weiter studiert und Kinder bekommen. Aber selbstbewusst, das war ich nie wirklich.

Und dann wurde ich erneut ALLEINERZIEHEND!

Es war von einem auf den anderen Tag keine Person mehr da, die mir die „schwierigen“ Dinge abnahm. Und ich habe mich bewusst für diese Situation entschieden nach dem mein damaliger Partner nach Kanada gegangen ist.

Einerseits fühlte ich mich wie befreit, aber andererseits hatte ich natürlich auch Angst vor dem was jetzt kommen sollte. Ich wollte mich mit 2 kleinen Kindern und der Großen alleine durchs Leben schlagen. Aber ich wusste, ich schaffe das…ein positiv denkender Mensch war ich ja schon immer irgendwie.

Warum alleinerziehend selbstbewusst macht:

Plötzlich bist du für alles selbst verantwortlich. Die Kinder, den Haushalt, dass genug Geld da ist. Für die Organisation von Terminen, Themen in Schule und Kindergarten, Regeln des Umgangs mit dem Vater, einfach für Alles.

Gerade am Anfang wächst einem das schnell über den Kopf. Es dauert eine Weile, bis man sich so organisiert hat, dass der Alltag läuft. Aber das Schöne daran ist, wenn es dann läuft, dann weißt du, DU alleine hast das geschafft.

Auch wenn das Geld manchmal knapp ist. DU schaffst es deine Kinder mit allem was nötig ist zu versorgen.

Auch wenn der Haushalt nicht perfekt ist. DU bist die Einzige, die das gerade interessiert. Er muss nicht perfekt sein.

Du hast alle Termine in der Woche unter einen Hut bekommen. Klopf dir auf die Schulter, denn DU hast das ganz alleine geschafft.

Und genau dieses schrittweise schaffen, von so vielen neuen Situationen, hat mein Selbstwertgefühl aufgebaut. Mein Selbstbewusstsein gestärkt. Natürlich gibt es Situationen, in denen ich Angst oder Zweifel habe, in denen die alte Schüchternheit hervor kommt. Aber auch die gehen vorüber. Und genau diese Überwindung, schafft noch mehr Selbstvertrauen.

Meine Lebenssituation hat mir bewusst gemacht, wie stark ich eigentlich bin und das ich guten Grund habe stolz und selbstbewusst durch das Leben zu gehen.

Ich schaffe Dinge, die ich mich früher nie getraut hätte. Aber jetzt habe ich keine Wahl, jetzt muss ich. Und ich genieße diese neue Situation. Ich muss und ich schaffe es.

Ich habe mich auch bewusst dagegen entschieden, gleich einen neuen Partner zu suchen. Das hätte ich früher gemacht. Eine weitere Person, die mir unangenehme Aufgaben abnimmt.

Statt dessen habe ich versucht zu mir selbst zu finden. In Situationen, in denen ich alleine bin, die Ruhe zu suchen und nicht die Gesellschaft. Mal nach innen zu schauen.

Darüber nachzudenken, was meine Wünsche und Ziele für mein weiteres Leben sind, ohne sie von einer anderen Person abhängig zu machen.

Ich habe angefangen, dass zu tun, was mir Spaß macht, ohne dass ich meine Zeit nach jemandem ausrichten muss, außer den Kindern natürlich.

Und deshalb kann ich wirklich sagen, ich genieße das alleinerziehend sein. Ich bin dadurch gewachsen, mein Selbstvertrauen ist gestärkt, ich muss mich hinter niemandem mehr verstecken.

Ich stehe meine Frau, jeden Tag. Ich genieße es, mich nicht rechtfertigen zu müssen. Ich liebe es mein Leben selbst zu planen und zu organisieren. Ich freue mich, über die Zeit mit meinen Kindern.

Auch das habe ich gelernt. Es gibt immer wieder Menschen im Leben, die dich herunter ziehen. Und die solltest du gehen lassen. Du brauchst deine Kraft für dich und die Kinder und da ist kein Platz für die negative Energie anderer. Ich muss nicht mehr jeden zum Freund haben. Ich suche mir die Menschen in meinem Leben aus.

Und ich habe vor allem Eines gelernt. Nicht für jeden ist die klassische Kleinfamilie das Richtige. Mein Wunsch war das auch mal. Aber es hat nicht funktioniert. Dafür habe ich jetzt ein Leben, dass ich mindestens genauso genieße. Ich bin nicht mehr traurig darüber, wie es gekommen ist. Ich bin glücklich mit mir und meinen Kindern und gespannt, was die Zukunft uns bringt.

Ich bin an dem Punkt angelangt, an dem ich sagen kann:

Ich bin alleinerziehend, selbstbewusst und glücklich!

Deine Janina

Inspiriert von @mamasmorgenstunde

Selbstbewusst alleinerziehend

2 Gedanken zu „Warum alleinerziehend das Selbstbewusstsein stärkt

  1. Hey Janina,

    bin gerade über deinen Kommentar bei mir hier gelandet…sooo ein schöner Artikel ♥️

    Wir können echt verdammt stolz auf uns sein, wir alleinerziehende Mamas! Wie du schon schreibst: Plötzlich ist da keiner mehr, der einem was abnimmt, so steht man seine Frau und es verändert einen total und macht selbstbewusst. Denn nun wissen wir: Ja, wir können das – und wenn wir DAS können, können wir alles 🙂

    Ich habe echt Respekt vor dir, was du geschafft hast!

    Liebe Grüße,
    Charlotte

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